Termin:
Dienstag, 3. März 2020, 09:30-17:00 Uhr
Veranstaltungsort:
FH Bielefeld, Interaktion 1, 33619 Bielefeld
Impulsreferentin:
Prof. Dr. Juliane Gerland
Prof. Dr. Juliane Gerland ist Musikpädagogin und Musiktherapeutin. Sie promovierte im Bereich Musik in den Rehabilitationswissenschaften zum Thema Auswirkungen des Musizierens auf Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kontext des Förderschwerpunkts Lernen. Von 2015 bis 2018 war sie Juniorprofessorin für Kulturelle Bildung und Inklusion an der Universität Siegen, seit 2018 ist sie Professorin für Musik in kindheitspädagogischen und sozialen Handlungsfeldern an der Fachhochschule Bielefeld.
Workshop-DozentInnen:
Dr. Markus Büring, Prof. Dr. Juliane Gerland, Fabrice Jucqois, Eddi Kleinschnittger, Prof. Dr. Heinrich Klingmann, Johanna Nagy, Paula Rohde, Angelika Sheridan, Prof. Dr. Johannes Voit
Ansprechpartnerin für inhaltliche Fragen:
Martin Theile Tel.: 0234.541747-32 fortbildung@jekits.de
Anmeldung bis spätestens zum:
03.02.2020


Inhalt:

Auch im Jahr 2020 veranstalten wir gemeinsam mit Kooperationspartnern einen Praxistag. Dieser trägt die Überschrift „Ohne Noten, fertig, los!“ und beschäftigt sich mit Improvisation im JeKits-Unterricht.
Neben einem Impulsvortrag mit dem Titel „Das Unvorhergesehene hören, spielen, (mit-)teilen – Zur Improvisation im JeKits-Unterricht und in sozialer Interaktion“ von Prof. Dr. Juliane Gerland, Professorin für Musik in kindheitspädagogischen und sozialen Handlungsfeldern an der FH Bielefeld, sind zahlreiche Workshops und Austauschformate geplant. Dabei erarbeiten die TeilnehmerInnen gemeinsam mit Kindern der Musik- und Kunstschule Bielefeld, der Kreismusikschule Paderborn, der Kreismusikschule Gütersloh und der Conrad-Hansen-Musikschule der Stadt Lippstadt unter Anleitung von DozentInnen eigene Improvisationen, die anschließend gegenseitig vorgeführt, interpretiert und reflektiert werden.
Der Praxistag richtet sich an Lehrkräfte aller drei Schwerpunkte, an Lehrkräfte der an JeKits teilnehmenden Grund- und Förderschulen sowie an die Lehrenden und Studierenden der FH Bielefeld, der Hochschule für Musik Detmold, der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn.
Aus einem Angebot von neun Workshops wählen sich die TeilnehmerInnen einen aus. Die Zielgruppen der Workshops richten sich nach dem jeweiligen JeKits-Schwerpunkt, viele Angebote sind jedoch auch inhaltlich übergreifend gestaltet. Zur besseren Orientierung wurden die Workshops mit einem entsprechenden Symbol für die jeweilige Zielgruppe versehen.


Ablauf:

9:30 – 10:30 Uhr: Plenum 1:
Begrüßung: Julia Diamé (Vorstand der JeKits-Stiftung) / Dr. Ingeborg Schramm-Wölk (Präsidentin der FH Bielefeld)
Impulsreferat: Das Unvorhergesehene hören, spielen, (mit-)teilen – Zur Improvisation im JeKits-Unterricht und in sozialer Interaktion (Prof. Dr. Juliane Gerland, FH Bielefeld)
10:45 – 11:15 Uhr: Workshop-Phase 1:
Vorstellung
Einführung ins Thema
11:30 – 13:00 Uhr: Workshop-Phase 2:
Praxis- und Erarbeitungsphase mit JeKits-Kindern der vier kooperierenden Musikschulen unter Beteiligung der TeilnehmerInnen
Ziel: Videoaufnahme einer Improvisations-Performance
14:00 – 15:00 Uhr: Workshop-Phase 3:
Reflexion der verwendeten Methoden und Arbeitsprinzipien
Diskussion
Übertragbarkeit auf das eigene Unterrichtssetting
15:15 – 17:00 Uhr:Plenum 2:
Gegenseitige Vorstellung der erarbeiteten Improvisations-Performances


Workshops:

Workshop 1: Ein Orchester dirigiert sich selbst

Dozentin: Angelika Sheridan (Hochschule für Musik und Tanz Köln)
Beim dirigierten Improvisationsorchester handelt es sich um ein Modell aus der künstlerischen Praxis. Jedes Orchestermitglied erhält die Möglichkeit, die anderen Orchestermitglieder durch eine begrenzte Anzahl von Handzeichen zu dirigieren. Die Handzeichen sind so offen, dass sich jede Person mit den eigenen spieltechnischen Möglichkeiten adäquat einbringen kann. Außerdem schafft diese Offenheit künstlerische und stilistische Freiräume sowohl für SpielerInnen als auch DirigentInnen. Zentrale
Bestandteile der Arbeit sind das Experimentieren und die sprachliche Reflexion, um die Weiterentwicklung der musikalischen Qualität zu ermöglichen. Inhalt des Workshops ist das praktische Erleben dieses Konzeptes, daher sollten alle TeilnehmerInnen ihre Instrumente mitbringen. Zusätzlich werden Informationen zur Entstehungsgeschichte, zu zentralen Prinzipien und Gelingensbedingungen gegeben.
Angelika Sheridan arbeitet als freischaffende Flötistin in den Bereichen Improvisation, experimentelle und neue Musik. Sie ist Lehrbeauftragte der Hochschule für Musik und Tanz Köln an den Standorten Köln und Aachen für Flöte, Improvisation und Didaktik sowie Lehrkraft an der Musikschule der Stadt Monheim am Rhein.

Workshop 2: Felle, Glocken, Rasseln, Kisten – Improvisation mit Perkussionsinstrumenten

Dozent: Prof. Dr. Heinrich Klingmann (Universität Paderborn)
Im Zentrum des Workshops stehen spielerische Zugänge zum gemeinsamen Musizieren. Dabei werden sowohl unterschiedliche Improvisationskontexte erprobt als auch die hierzu jeweils notwendigen musikalischen und instrumentaltechnischen Mittel erarbeitet.
Prof. Dr. Heinrich Klingmann ist Professor für Musikdidaktik mit besonderer Berücksichtigung von Inklusion. Nach dem Abschluss eines Diplomstudiengangs für Jazz und Popularmusik mit dem Hauptfach Percussion an der Hochschule für Musik Mannheim unterrichtete er von 2001 bis 2015 u. a. Percussion im Jazzstudiengang der Hochschule für Musik in Nürnberg. Daneben arbeitete er ab dem Jahr 2010 als Musiker und ausgebildeter Grund- und Hauptschullehrer im Rahmen des Mannheimer Unterstützungssystems Schule (MAUS) an Grundschulen und in der Sekundarstufe 1.

Workshop 3: Das Rucksack-Konzert – Improvisieren mit Alltagsgegenständen

Dozent: Prof. Dr. Johannes Voit (Universität Bielefeld)
Spontanes Musizieren und Improvisieren bietet Kindern die Möglichkeit, mit musikalischen Mitteln zu kommunizieren und ihre eigene künstlerische Ausdrucksfähigkeit zu entwickeln. Allerdings können fehlende instrumentale Vorerfahrungen gerade im Anfangsunterricht eine nur schwer zu überwindende Hürde darstellen. Für das voraussetzungslose Improvisieren bieten unkonventionelle Klangerzeuger wie Alltagsgegenstände eine besondere Chance, da ihnen auch ohne große Übung Klänge entlockt werden können und da sie mit keiner bestimmten Hörerwartung verknüpft sind. In diesem Workshop werden Modelle vorgestellt und praktisch nachvollzogen, die es erlauben, auch mit SchülerInnen ohne instrumentalen Vorkenntnisse zu improvisieren und Musik zu erfinden. Als Instrumentarium dient alles, was die Kinder in ihren Rucksäcken dabei haben. Ob Federmäppchen, Papier oder Wasserflasche: Alle Klänge sind erlaubt und werden Teil der Uraufführung beim ersten Bielefelder Rucksack-Konzert.
Prof. Dr. Johannes Voit hat seit 2018 die Professur für Musikpädagogik an der Universität Bielefeld inne. Zuvor war er als Juniorprofessor für Musikvermittlung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und als Referent für Musikvermittlung an der Kölner Philharmonie tätig. Johannes Voit studierte Musik und Englisch für das Lehramt an Gymnasien und Komposition in Dresden und Norwich (England). Anschließend promovierte er in Musikwissenschaft und war als freischaffender Komponist, Opernchorsänger und Musikvermittler tätig.

Workshop 4: Improvisation für Bühnentanz mit JeKits-Kindern

Dozent: Fabrice Jucquois (Musik- und Kunstschule der Stadt Bielefeld)
Zeitgenössische Choreografien konzentrieren sich zunehmend auf die Improvisation. Während professionelle TänzerInnen Bewegungen in ihrer Ausbildung und im Laufe ihrer Berufserfahrung entwickeln können, gehen Kinder völlig andere Wege. Sie beziehen sich zuerst auf das, was sie gesehen haben, und lassen sich dann von ihrer Vorstellungskraft mitreißen. Dieser Workshop will Wege aufzeigen, wie diese sehr spontane Sprache entwickelt und in einer Choreografie strukturiert werden kann. Zudem werden Hindernisse wie Schüchternheit oder fehlendes Selbstvertrauen thematisiert, mit denen die dabei Kinder konfrontiert werden können. Der Workshop sucht nach Lösungsansätzen, wie diese Hindernisse überwunden werden können.
Fabrice Jucquois arbeitet seit seiner Ausbildung in Löwen (Belgien) und Zürich (Schweiz) als Bühnentänzer, Choreograf und vertretungsweise als Ballettdirektor unter anderem für das Nationaltheater Mannheim, das Theater Bonn, die Deutsche Oper am Rhein und das Landestheater Linz. Darüber hinaus realisiert er spartenübergreifende Projekte (beispielsweise mit Flamenco-TänzerInnen oder SängerInnen) und leitet seit 2015 Tanzprojekte an verschiedenen Schulen in Bielefeld.

Workshop 5: PerFormung – Von der Form zur Performance

Dozentin: Johanna Nagy (Hochschule für Musik Detmold)
Abstrakte Zeichen, Muster und grafische Formen werden lebendig und „verformen“ sich zu Musik und Bewegung. Durch Improvisation und aktive, gemeinsame Umsetzung von Ideen entsteht unsere eigene „PerFormung“, die sowohl von BewegerInnen als auch MusikerInnen gestaltet wird.
Johanna Nagy ist Rhythmikerin und Schlagzeugerin und arbeitet als Dozentin in den Bereichen Rhythmik, Elementare Musikpädagogik und Schlagwerk an Musikschulen und Musikhochschulen. Sie bietet Projekte und Workshops für alle Altersklassen in unterschiedlichen Institutionen an und ist sowohl im Bereich „Musik- und Bewegungsperformance“ als auch mit unterschiedlichen Schlagwerk-Ensembles auf der Bühne aktiv. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind u. a. Improvisation, Bodypercussion, rhythmische Bewegungsperformance mit Alltagsmaterialien und Rhythmik für ältere Menschen.

Workshop 6: Mit Mut aus dem Hut – Improvisation mit Körperklängen und Erfinden von Bodypercussion-Begleitpatterns

Dozent: Eddi Kleinschnittger (Musikschule des Kreises Paderborn)
Grundschulkinder musizieren und improvisieren gerne mit ihrer Stimme, trommeln mit den Händen auf Oberschenkel oder Tischen und probieren lustige wie auch interessante Klänge mit Körperinstrumenten aus. Sie improvisieren musikalisch, wenn man sie lässt und ihnen eine Hilfestellung gibt. Sie können auch Musik erfinden und strukturieren, erarbeiten zusammenhängende Klänge, die sich anschließend wiederholen lassen. Im Workshop wird gezeigt, wie man von Kindern erfundene Rhythmus- und Klangbausteine ordnet und musikalisch strukturiert.
Eddi Kleinschnittger ist pädagogischer Leiter der Musikschule des Kreises Paderborn. Er studierte Schlagzeug an der Hochschule für Musik in Detmold, arbeitet seitdem als Schlagzeuglehrer und unterrichtet seit 2010 mit Start des JeKi-Pilotprojekts außerhalb des Ruhrgebiets im JeKi-/JeKits-Programm. Darüber hinaus engagierte er sich einige Jahre als stellvertretender Regionalsprecher der Musikschulen im Regierungsbezirk Detmold.

Workshop 7: FAIRlinked – Kooperatives Musizieren mit Apps

Dozent: Dr. Markus Büring (Universität Bielefeld)
In diesem Workshop erproben die TeilnehmerInnen Möglichkeiten der Klangerzeugung und Klanggestaltung mit Apps. Darüber hinaus werden Konzepte zur Kollektivimprovisation und virtueller Bandarbeit thematisiert. Im Praxisteil liegt der Schwerpunkt auf der kooperativen Musikpraxis am Beispiel einer metrumfreien und einer patterngebundenen Musik.
Dr. Markus Büring studierte Musikerziehung (Oboe), Schulmusik für höheres Lehramt, Germanistik, Psychologie und Pädagogik in Hannover. Er arbeitete an einem Musikgymnasium, promovierte im Fach Musikpädagogik und ist zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld. Sein musikalischer Schwerpunkt liegt in den Bereichen Kammermusik, klassisches Orchester und Symphonische Blasmusik. Er war für den Niedersächsischen Musikverband e. V. als Ausbilder für D- und C- Kurse in Musiktheorie und Orchesterdirigieren tätig und spielt als Oboist in hannoverschen Ensembles.

Workshop 8: Raumklänge – Musizieren im und mit dem Raum

Dozentin: Prof. Dr. Juliane Gerland (FH Bielefeld)
In diesem Workshop werden Möglichkeiten erarbeitet, den Unterrichtsraum musikalisch in die Improvisation bzw. in das Unterrichtsgeschehen einzubinden – der Raum wird für eine begrenzte Zeit zu einem zusätzlichen Instrumentarium. Der Workshop setzt sich mit dem Raum als einem weiteren Pädagogen auseinander und erforscht die Einflüsse ungewöhnlicher Räumlichkeiten auf unser musikalisches sowie improvisatorisches Handeln.
Prof. Dr. Juliane Gerland ist Musikpädagogin und Musiktherapeutin. Sie promovierte im Bereich Musik in den Rehabilitationswissenschaften zum Thema Auswirkungen des Musizierens auf Selbst- und Fremdwahrnehmung im Kontext des Förderschwerpunkts Lernen. Von 2015 bis 2018 war sie Juniorprofessorin für Kulturelle Bildung und Inklusion an der Universität Siegen, seit 2018 ist sie Professorin für Musik in kindheitspädagogischen und sozialen Handlungsfeldern an der Fachhochschule
Bielefeld.

Workshop 9: Geräusche, Töne, Melodien – Die Welt der Stimmimprovisation

Dozentin: Paula Rohde (Conrad-Hansen-Musikschule der Stadt Lippstadt)
Wir alle nutzen unsere Stimme täglich zu den unterschiedlichsten Zwecken. Wir sprechen miteinander, seufzen von Zeit zu Zeit, lassen Laute freudiger Überraschung ertönen oder schluchzen vor Trauer. So vielfältig wie unser Seelenleben sind auch die Farben und Möglichkeiten unserer Stimme. Wenn wir uns dies bewusst machen, steht uns die Stimme problemlos als Instrument und Ausdrucksmittel zur Verfügung. Dieser Workshop möchte mittels stimmbildnerischer Impulse zu einem lustvollen,
stressfreien und kreativen Gebrauch der Stimme anregen. Alle Beteiligten sollen das Instrument Stimme spielerisch erkunden und es als Improvisationsmittel gemeinsam einsetzen.
Paula Rohde ist JeKits-Lehrkraft im Schwerpunkt Singen an der Conrad-Hansen-Musikschule der Stadt Lippstadt. Die Sängerin und Gesangspädagogin studierte klassischen Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie an der Hochschule für Musik Detmold. Im pädagogischen Master absolvierte sie das Wahlfach Elementare Musikpädagogik und schloss dieses mit einer Gestaltungsprüfung ab.